Was wirklich gut funktioniert – Erfahrungen aus 30 Jahren Praxis
In der Massagetherapie dienen Massageöle nicht nur als Gleit-, sondern vor allem als Kontaktmittel. Sie verbessern den Hautkontakt, machen die Oberfläche geschmeidiger und ermöglichen es, Muskelstrukturen und tieferliegende Spannungen besser zu erfühlen. Flächige Griffe gelingen leichter, und man findet schnell seinen eigenen Rhythmus.
Meine Erfahrungen mit verschiedenen Massagehilfsmitteln
In meiner Laufbahn als Masseur habe ich mit den verschiedensten Mitteln gearbeitet – Ölen, Lotionen und sogar Talkumpuder. Letzteres sorgt zwar für ein besonderes Massageerlebnis, verlangt aber eine sehr langsame, präzise Technik. Gesundheitlich ist Talkum jedoch problematisch, weshalb man davon abkam.
Eine Ausnahme bildet die Lymphdrainage: Ein Hauch Babypuder – z. B. am Bein verrieben – optimiert den Ablauf, erleichtert das Anziehen der Kompressionsstrümpfe und hält die Haut länger trocken. Im Gesicht würde ich davon abraten.
Öl ist nicht gleich Öl – worauf kommt es an?
Bei Massageölen kann man leicht philosophisch werden:
- Welcher Hersteller?
- Samenöle, Basisöle oder neutrale Öle?
- Mit ätherischen Zusätzen oder ohne?
- Welche Flasche ist geeignet (Braunglas, Mironglas, Squeeze, Pumpspender)?
- Wie schnell wird ein Öl ranzig?
Gerade in Praxen greifen viele zu neutralen, farblosen Ölen, weil sie keine Flecken machen, geruchlos sind und sich vielseitig einsetzen lassen.

Meine treue (und verlorene) Flasche
Zuletzt nutzte ich eine blaue Glasflasche mit Dosierer – über Jahre ein zuverlässiger Begleiter in meiner Massagetasche. Bis sie mir vor Kurzem beim ersten Kunden auf die Fliesen gefallen ist und mit einem lauten Knall das Zeitliche segnete. Eine passende Ersatzflasche zu finden, ist erstaunlich schwierig.
Schupp Lotion – ein Klassiker aus der Praxis
Als ich vor 30 Jahren im Praktikum begann, arbeiteten wir mit der Schupp Massage-Lotion im 1-Liter-Pumpspender.
Vorteile:
- nur mit Wasser abwaschbar
- hautfreundlich (keine Seife nötig)
- griffig
- kein ranziger Geruch
Bei Ölen hingegen findet sich immer ein winziger Spalt, den sie mit der Zeit „aromatisieren“. Jeder Therapeut kennt das.
Mein Favorit: Bio-Olivenöl
Trotz vieler Experimente bin ich beim kaltgepressten Bio-Olivenöl gelandet.
Warum?
- universell einsetzbar
- für jeden Hauttyp geeignet
- auch im Sommer guter Griff
- pflegt trockene Haut intensiv
- natürlich, schlicht, zuverlässig
Selbst stark trockene Haut fühlt sich nach einer Massage damit wieder geschmeidig an.
Ätherische Zusätze für jede Jahreszeit
Je nach Stimmung und Temperatur mische ich ätherische Öle dazu:
Sommer – Pfefferminze
- erfrischend
- leicht durchblutungsfördernd
- dezenter, sauberer Duft
Winter – Lavendel oder Nelke
- beruhigend
- wärmend
- nur 3–5 Tropfen auf 100 ml
In 20 Jahren Hausbesuchen hatte ich keine Allergien darauf – trotzdem frage ich es beim Erstkontakt immer ab.
Weleda & Co. – simple und gut
Wer sich nicht mit Basisölen beschäftigen möchte, kann guten Gewissens zu Weleda-Massageölen greifen.
Meine Empfehlungen:
- Wildrosenöl → Sinnlichkeit, Wärme, Entspannung
- Arnika-Massageöl → Muskelverspannungen, Gelenke, Sport, Kälte
Ins warme Wasserbad gestellt, entfaltet Arnikaöl seine ganze Kraft – ein kleiner Tipp aus der Praxis.
Was man im Haushalt verwenden kann
Für kurze Partner- oder Selbstmassagen reicht oft:
- Körperlotion
- Creme
- Babyöl
- Olivenöl, Sonnenblumenöl oder Jojobaöl
Wichtig ist vor allem, dass die Hände nicht auf der Haut „stumpf“ haften, sondern ein natürlicher, angenehmer Kontakt entsteht.
Wenn du wissen möchtest, wie bestimmte Grifftechniken funktionieren, findest du hier eine einfache Anleitung für
👉 DIY-Massagetechniken
Bei zu viel Öl:
Einfach mit dem Handtuch abnehmen, bis die Haut wieder griffig ist.
DIY-Massageöl selbst herstellen
Wer es individuell mag, kann sein Massageöl auch selbst mischen:
- ein gutes Basisöl
- ein paar Tropfen ätherisches Öl
- kleine Verträglichkeitsteststelle am Unterarm
- kühl & dunkel lagern
So entsteht ein persönliches, natürliches Öl, das oft günstiger und hochwertiger ist als fertige Mischungen.
Fazit
Öle und Lotionen bieten eine große Vielfalt, um eine Massage angenehm, pflegend und wirkungsvoll zu gestalten. Entscheidend ist nicht das teuerste Produkt, sondern:
- Qualität
- gute Hautverträglichkeit
- ein angenehmer Duft
- und der wichtigste Punkt: eine achtsame, respektvolle Berührung

„Massage lebt von Berührung – nicht vom Produkt.“




